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Beispielhafte BNE-Projekte

Hocketse mal anders – Nachhaltige Dorffeste als Orte der Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Dieses Projekt entwickelte innovative Methoden, um Bildung für Nachhaltige Entwicklung in ländlichen Gebieten Baden-Württembergs zu stärken.

Lokale Feste im ländlichen Raum wurden als Orte des Lernens genutzt. Den Besuchern und Besucherinnen wurden nachhaltige Produkte auf dem Fest angeboten und sie erhielten gleichzeitig Informationen zum Nachhaltigen Lebensmittelkonsum. Gemeinsam mit den Veranstaltern erarbeitete der Projektträger finep einen Methodenmix, der die Bildungsinhalte innovativ, spielerisch und anschaulich transportierte. Grundlage war „Casual Learning for Sustainability“, eine von finep entwickelte Methode, die Bildung für Nachhaltige Entwicklung in den Alltag integriert und so ein Lernen gewissermaßen nebenbei ermöglicht – eben „Casual Learning“. Die Besucher der Feste erhielten somit nebenbei Informationen und Alltagstipps zum Nachhaltigen Konsum. Das Projekt wurde in drei Gemeinden pilotiert.

Projektart
Spiel- und Aktionsprojekt: Lokale Feste als Lernorte für BNE

Projektdauer
17 Monate

„Hocketse mal anders“ sensibilisierte Besucher und Besucherinnen der lokalen Feste für die Auswirkungen ihres Lebensmittelkonsums und motivierte sie, bestehende Konsummuster zu ändern. Ziel war es, Methoden zu etablieren und zu erproben, die auf den Festen besonders solche Menschen erreichen, die noch kein Bewusstsein für die Thematik entwickelt haben. Es wurde ein neuartiger Ansatz entwickelt, dessen Elemente in den Festbetrieb von Vereinen in kleinen, ländlich geprägten Gemeinden, gut integrierbar sind. 

Zielgruppen

  • Erwachsene
  • Kinder und Jugendliche
  • Multiplikatoren
  • Veranstalter von Straßen-, Dorf- und Gemeindefesten

In einer ersten Phase wurden die lokalen Netzwerke aufgebaut, bzw. bestehende gestärkt und lokale Projektteams gegründet. In einem Startworkshop wurde die Methode des „Casual Learnings“ anhand einiger Beispiele vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmenden die drei Dimensionen der Nachhaltigen Entwicklung und Ansatzpunkte für einen nachhaltigen Lebensmittelkonsums erörtert. 

In kreativen Arbeitssitzungen wurden Möglichkeiten zur Einbindung von Aktivitäten in das bestehende Programm des Festes gesucht. Optionen zur Integration von nachhaltigen Speisen und Getränken wurden besprochen. 

Gemeinsam mit der Festorganisation wurden dann die zum Fest passenden Bildungsbausteine entwickelt. Wichtig war vor allem, etwas Nützliches und Interessantes für die Gäste zu erstellen. Hierbei entstanden:

1. Nachhaltigkeitsglücksräder

Die drei Nachhaltigkeitsglücksräder hatten folgende Themen: (1) Ressourcenverbrauch, (2) Lebensmittel – Herkunft und Reise unserer Produkte und (3) Spiel und Sport – faire Herstellung von Trikots. Zu jedem Rad mussten Rätsel gelöst werden und es wurden Hintergrundinformationen gegeben. Die drei Stationen waren zu einer Rallye verbunden.

2. Energiekugeln

Aus acht verschiedenen fair gehandelten Inhaltsstoffen wurden Kugeln gerollt und die verwendeten Zutaten auf Tellern präsentiert. Dabei wurde über Herkunft sowie entwicklungspolitischen Hintergrund per Aufsteller informiert. Die Besucher und Besucherinnen konnten sich diese Energiekugeln selbst zusammenrollen und als Snack mitnehmen.

3. Barfußpfad zur Textilen Kette

In sechs Wannen auf dem Boden befanden sich verschiedene Materialien, die Teile der Textilen Kette symbolisierten (zum Beispiel Baumwollblüten, Garn und Faden, Stoffzuschnitte). Diese Wannen konnten die Festbesuchern und Be-sucherinnen barfuß durchschreiten und so den globalen Weg der Textilien buchstäblich nachfühlen. Neben den Wannen befanden sich Austeller, die Hintergrundinformationen zum jeweiligen Produktionsschritt und Anregungen zum nachhal-tigen Konsum vermittelten.

4. Spiele mit Bildungsbotschaften

Die Steine eines XXL-Holzstapelturms und ein XXL-Vier-Gewinnt, wurden mit Botschaften zum nachhaltigen Konsum und mit passenden Bildern versehen. 

5. Gebrauchsmaterialien für die Feste mit Bildungsbotschaften

Aus sechs unterschiedlich gestalteten Bierdeckeln, ließen sich drei Pärchen bilden. Auf der Rückseite befanden sich Bildungsbotschaften. Themen der Bilder und der Botschaften waren der faire Fußball, die faire Rose und der regional angebaute Apfel. Die Bierdeckel lagen auf allen Tischen der Feste aus. 

Auf Servietten konnten sich die Festbesucher den Weg durch ein Labyrinth zum fairen Handel suchen und dabei Hintergrundinformationen erhalten. Die Servietten wurden an diversen Ständen zusammen mit den Speisen ausgegeben. 

Auf einem Suchbild auf einer Stofftasche, konnte man regionale und fair gehandelte Produkte finden. Die Stofftaschen wurden an die Festgäste ausgegeben. 

Auf Papphockern für die Festgäste wurden Informationen zu fair gehandeltem Kaffee, zu Produktion von Fußbällen und zu Äpfeln und Walnüssen aus der Region gegeben. Die drehbaren Sitzwürfel bildeten ein Rätsel bestehend aus extrem vergrößerten Lebensmittelbildausschnitten auf der einen Würfelseite und der Lösung auf der anderen Seite. Anhand der passenden Bilder und Nahaufnahmen der Produkte, konnten die Hocker passend zusammengestellt werden.

Diese Bausteine wurden auf drei nachhaltig ausgerichteten Festen eingesetzt. Die Aktivitäten wurden in einer abschließenden Sitzung mit den Organisatoren und Organisatorinnen der Feste evaluiert.

Anleitungen zur Anfertigung und zum Einsatz der Bildungsbausteine wurden erstellt und im Internet veröffentlicht.

Veranstaltungen

  • Schlehenfest in Denkendorf (Landkreis Esslingen)
  • Streuobstaktionstag in den Herrenberger Stadtteilen Kayh und Mönchberg (Landkreis Böblingen)
  • Menschenkicker-Turnier in Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) in Baden-Württemberg

Casual Learning

„Zuallererst ist es ein Lernen in Alltagssituationen wie beispielsweise auf der Straße, beim Warten an der Bushaltestelle oder in einem Café. Jeder Mensch nimmt permanent eine Vielzahl von Informationen auf. Das heißt, jeder und jede lernt nebenbei (casually)… Darüber hinaus ist Casual Learning aber auch eine Methode, diesen Prozess durch den Einsatz kurzer, einprägsamer Botschaften an diesen Alltagsorten zu nutzen.“ (http://www.bakeabetterplace.org/deutsch/Methode.html)

Mit den jeweiligen lokalen Organisationsteams und Kooperationspartnern, erreichte finep verschiede Akteure im ländlichen Raum aus dem Vereinswesen, der Politik und Verwaltung, dem Kirchengemeindewesen und einem Jugendzentrum. Die Akteure wurden für Nachhaltigkeitsthemen sensibilisiert. finep unterstützte sie darin, Elemente der Bildung für Nachhaltige Entwicklung und den nachhaltigen Lebensmittelkonsum, auf ihre Agenda zur Planung und Durchführung ihrer Feste zu setzen. Vereine, die die Bewirtung der Feste übernahmen, haben vermehrt fair gehandelte und regionale Produkte in ihre Angebotspallette aufgenommen. Bei den Festbesuchern und Festbesucherinnen wurde ein Bewusstsein für die Vorzüge eines regiofairen Konsums geschaffen. Sie lernten globale Zusammenhänge des Konsums und alternative Handlungsmöglichkeiten kennen. Die spielerischen und niederschwelligen Angebote, regten zahlreiche Gespräche zu diesen Themen an. 

Auf dem WeltWeitWissen-Kongress 2016 weckte das Projekt Interesse bei Multiplikatoren und erhielt eine Auszeichnung.

Die gefertigten Materialien wurden bereits zu weiteren Anlässen angefragt und von lokalen Akteuren im ländlichen Raum eingesetzt. 

Mit dem Projekt wurden damit praxisnahe und vielseitig nutzbare Bildungswerkzeuge für BNE im ländlichen Raum geschaffen, die durch andere Multiplikatoren aufgegriffen und genutzt werden können. 

Mit den Methoden des „Casual Learnings“ und der Idee, Nachhaltigkeit in Dorf- und Gemeindefesten zu integrieren und spielerisch zugänglich zu machen, wurde ein niederschwelliges Angebot konzipiert, das auch schwer erreichbare Zielgruppen anspricht. 

„Hocketse mal anders“ war Teil des Wettbewerbsbeitrags „Labor Entwicklungspolitik – Casual Learning für einen nachhaltigen Lebensstil“, welcher auf dem WeltWeitWissen-Kongress 2016 als eines der 4 besten Projekte ausgezeichnet wurde.

Die Bildungsbausteine sind flexibel kombinier- und anwendbar. Sie sprechen unterschiedliche Altersgruppen an und können daher bei vielen verschiedenen Gelegenheiten eingesetzt werden, um neue Zielgruppen mit Bildung für Nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Beispiele sind Schulfeste, Kinder- und Jugendfreizeiten, Sportveranstaltungen, Märkte oder Messen sowie Festen von Vereinen. Alle Casual Learning Materialien wurden bewusst kostengünstig konzipiert, um auch kleinen Initiativen mit begrenzten finanziellen Mitteln die Möglichkeit zur Nachahmung zu geben. Die Methode des „Casual Learning“ eignet sich dabei auch für viele andere Themen der Nachhaltigkeit, wie Mobilität oder den nachhaltige Umgang mit Strom, Wasser und Heizenergie.

Die Nachhaltigkeitsglücksräder, der Barfußpfad zur textilen Kette und die XXL-Spiele mit Bildungsbotschaften, verblieben bei den Organisationsteams der jeweiligen Feste. Sie können bei den Partnern vor Ort ausgeliehen werden. 

Zu allen Bildungsbausteinen gibt es eine ausführliche Anleitung zum Nachbau, den Kosten, dem Zeitaufwand, den Einsatzmöglichkeiten und den jeweiligen Vor- und Nachteilen. Diese und andere „Experimente“ sowie eine ausführliche Beschreibung des „Casual Learning“, finden sich auf der Homepage.

finep bietet allen interessierten Initiativen auch die Möglichkeit der kostenfreien telefonischen Beratung zu den Casual Learning Materialien.  

Um die Nachhaltigkeitsglücksräder, den Barfußpfad zur textilen Kette oder die XXL-Spiele mit Bildungsbotschaften auszuleihen, nehmen Sie bitte Kontakt zu finep auf.

Kontakt
kai.diederich@remove-this.finep.org
Tel. 0711 / 93 27 68- 0
Homepage


Kooperationspartner

finep ist eine gemeinnützige Projekt- und Beratungsorganisation im Bereich der Nachhaltigen Entwicklung. Die Themenfelder Entwicklungspolitik, Umweltpolitik und Förderung der lokalen Demokratie, stehen im Zentrum der Projekte, die von finep durchgeführt werden. In Denkendorf schlossen sich Personen aus der Arbeitsgemeinschaft der Denkendorfer Vereine (ARGE) zu einer Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ zusammen. Hier nahmen auch die evangelische und katholische Gemeinde teil. In Dornstadt schlossen sich die Nachhaltigkeitsbeauftragte, Mitglieder des Fasnachtvereins „Doraweibla“ und des Vereins „kikuna“. zu einem Akteurskreis zusammen. In Herrenberg brachte sich der Lenkungskreis des Streuobstaktionstags, bestehend aus Ehren-amtlichen, lokalen Händlern, Vertretern des Landratsamtes, Ortsvorstehern sowie Vertretern des Obst- und Gartenbauvereins, aktiv ein.

Personelle Planung

In elf Treffen zwischen finep und den lokalen Akteuren wurden Inhalte vermittelt, konzeptionell gearbeitet und Bildungsbausteine kreativ entworfen. Hierdurch konnten die Inhalte tiefgreifend vermittelt werden und die Partner stark partizipieren. Zudem wurden Diskussionsergebnisse mit weiteren Festorganisatoren rückgekoppelt. Um alle Akteure in den Feedbackprozess und die Entwicklung der Bildungsaktionen einbeziehen zu können, entstand ein intensiver Bedarf an Kommunikation.

Zeitliche Planung

Erste Treffen mit den Aktionsteams vor Ort, fanden im November und Dezember 2014 statt. Weitere Konzeptionstreffen und die Umsetzung auf den lokalen Festen, sowie die Evaluationssitzungen, erfolgten im Laufe des Jahres 2015. Die Termine waren abhängig von den Terminen der lokalen Veranstaltungen.

Öffentlichkeitsarbeit

„Hocketse mal anders“ wurde in der lokalen Presse vorgestellt, die Feste wurden angekündigt. Pressevertreter und –Vertreterinnen waren auf den Festen anwesend und berichteten im Anschluss an das Fest.

Nützliche Tipps

Tipps zu den einzelnen Bildungsbausteinen finden sich unter: Homepage

forum für internationale entwicklung + planung
Plochinger Str. 6
D-73730 Esslingen
Tel. 0711 / 93 27 68- 0
E-Mail: info@remove-this.finep.org
Web: http://www.finep.org/

Ansprechpartner:
Kai Diederich
E-Mail: kai.diederich@remove-this.finep.org